Vom Geruch der Akten und dem Gefühl, nach Hause zu kommen

Meine eigentliche Arbeit mit der BBF begann nicht mit großen Erwartungen, sondern mit sehr konkreten Recherchen für meine Dissertation zu Vorstellungen über das Unterstufenkind in der DDR. Ich benötigte dafür unter anderem Akten der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften (APW), Materialien zur Zeitschrift Die Unterstufeund zahlreiche weitere Quellen.

Damit begann eine intensive Phase, die sich über Tage, Wochen und Monate erstreckte. Ich verbrachte viel Zeit in der BBF, oft in einem kleinen Raum, umgeben von Akten, die ich systematisch durchging, sortierte und auswertete. Es war eine Arbeit, die viel Konzentration verlangte – und gleichzeitig eine große Faszination auf mich ausübte.

Bis heute erinnere ich mich sehr genau an die gesichteten Akten. Nicht nur inhaltlich, sondern auch ganz sinnlich: an das dünne Papier, an die unterschiedlichen Zustände der Dokumente, an die Spuren der Zeit. Manche Blätter waren eng beschrieben, andere wirkten zunächst unscheinbar und entfalteten erst beim genaueren Lesen ihre Bedeutung. Immer wieder stieß ich auf kleine Hinweise, die sich erst im Zusammenhang zu einem größeren Bild fügten.

Gerade in dieser unmittelbaren Arbeit mit den Originalquellen lag für mich der besondere Reiz. Kartons und Akten zu öffnen, ohne genau zu wissen, was einen erwartet, einzelne Dokumente miteinander in Beziehung zu setzen, Randbemerkungen ernst zu nehmen und nach und nach aus vielen Fragmenten eine historische Erzählung zu entwickeln.

Die Phasen in der BBF waren für meine Forschung prägend. Sie haben nicht nur meine Dissertation getragen, sondern auch meine Arbeitsweise nachhaltig geprägt. Die BBF war dabei der zentrale Ort, an dem die Quellen zugänglich waren und an dem ich sie in Ruhe auf mich wirken lassen und auswerten konnte.

Was diese Zeit für mich aber ebenso besonders gemacht hat, waren die Menschen, die mich dabei begleitet haben. Ich habe in der BBF eine große Offenheit und Hilfsbereitschaft erlebt, die für meine Arbeit entscheidend war. Immer wieder haben mir Mitarbeitende der BBF geholfen, die richtigen Bestände zu finden, mir Zusammenhänge erklärt oder mit mir fachlich diskutiert, wenn ich einmal nicht weiterkam oder den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen konnte. Diese Unterstützung war für mich keineswegs selbstverständlich – sie ist aber bis heute etwas, was ich mit der Arbeit als Bildungshistorikerin assoziiere.

Auch nach Abschluss der intensiven Recherchephase blieb meine Verbindung zur BBF eng. Immer wieder kehrte und kehre ich für weitere Fragen, Ergänzungen oder neue Perspektiven zurück – mit der Vorfreude im Bauch, etwas Neues zu entdecken. Die dort vorhandenen Bestände und die Möglichkeit, gezielt weiterzuarbeiten, waren und sind für mich weiterhin von zentraler Bedeutung. Zudem beeindrucken mich bis heute die nationale und internationale Innovations- und Strahlkraft für die Historische Bildungsforschung, die von der BBF ausgehen.

Zum 150-jährigen Jubiläum möchte ich deshalb vor allem Danke sagen: all den Menschen, die die BBF über viele Jahre geprägt haben und bis heute prägen, die mich bei meinen Recherchen unterstützt, fachlich begleitet, ermutigt und immer wieder neugierig gemacht haben. Mit der BBF verbinde ich deshalb weit mehr als einen Ort der Quellenarbeit. Sie ist für mich ein wichtiger Teil meines eigenen Weges als Bildungshistorikerin geworden. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich jede Rückkehr in die BBF bis heute ein kleines bisschen wie Nach-Hause-Kommen anfühlt.

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