Die BBF Pause – Ratgeber eines Nutzers 

Als nunmehr langjähriger Nutzer blicke ich zurück auf viele produktive Arbeitstage in der BBF. Zuerst hörte ich von ihrer Existenz als Student in Leipzig, durchsuchte sogleich online die Bestände und reiste an, um einen Geschichtslehrplan zu sichten. Hieraus wurde meine Staatsexamensarbeit [1]. Schon damals fiel mir auf, dass die Lage an der Warschauer Brücke zwar verkehrstechnisch günstig und vordergründig versorgungsweise üppig ist; ich war aber überfordert mit der Frage, wo ich nun meine Mittagspause verbringen sollte. 

Im Rahmen meiner Promotion zog ich dann nach Berlin und verbrachte intensive Monate der Archiv- und Literaturrecherche und Manuskriptniederschrift in der BBF. Nur selten ging ich in die Staatsbibliothek „fremd“. An der BBF gefielen mir neben den einschlägigen Beständen die einleuchtenden Öffnungszeiten (Mo bis Fr, 10:00-18:00), die fortan meine Arbeitstage bestimmten. Auch fallen die sonstigen Bibliotheksnutzer:innen und deren Verhalten eher bodenständig und arbeitsam aus, wohingegen an den beiden Staatsbibliotheken und den Unibibs die Performanz des Besuchs eher einem Laufsteg und einer analogen Datingplattform gleicht. Das mag lebensabschnittsbezogene Vorteile bieten, für mein Promotionsprojekt drohte zu viel Prokrastination [2].

Blieb dennoch das Problem: Konzentration bedingt Kohldampf – ohne Mampf kein Kampf (mit den Quellen). Dass die BBF über keine Mensa oder Cafete verfügt und sich für jeden Besuch die Frage stellt, wie die Reproduktion der kognitiven Fähigkeiten gelingen sollte, stellt einen kleinen aber nicht zu leugnenden Malus dar.

Damit andere Nutzer:innen der BBF – und solche, die es werden wollen – in der Mittagspause künftig nicht genauso ratlos wie ich mit knurrenden Magen auf der Warschauer Straße stehen und das Pro und Contra der mannigfaltigen Versorgungsmöglichkeiten jonglieren müssen, folgen hier einige Handlungsempfehlungen. Die Auswahl orientiert sich eher am schmalen Geldbeutel von Studierenden und schlecht bezahlten Promovenden. Finanziell gut ausgestattete Nutzer:innen verfügen freilich über Ressourcen, die den Gang in eines der zahlreichen Restaurants erlauben. 

Option I: Selbstversorgung 

Für die Nutzer:innen, die über „Kontrolle über ihr Leben“ (Karl Lagerfeld) verfügen. Diese Nutzer:innen bringen ihr köstliches und kulinarisch wertvolles Essen in einer Tupperdose selbst mit. Hierdurch wissen sie genau, was sie denn da essen und verprassen nicht ihr geringes Gehalt. Für den Verzehr haben die Nutzer:innen mehrere Möglichkeiten. Je nach Wetter bieten sich an: Im nasskalten Berliner Winter bleibt man am besten Mittags im Gebäude, denn im Eingangsbereich bieten die dortigen Tische ein einladendes Ambiente.

Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen lockt freilich die Spree: Wenige dutzend Meter die Warschauer Straße hinunter kann man sich an der Oberbaumbrücke hinsetzen und über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze sinnieren. Eine Zwischenlösung aus den beiden Optionen stellt die Terrasse dar, auf welcher man mit Blick auf Eastside Mall und das an Amazon vermietete Bürohochhaus über die spätkapitalistische Plattformökonomie kontemplieren kann. 

Option II: Fremdversorgung

Wenn Sie nicht zur Vorkochen und Tupperdosen-Fraktion gehören oder ihre Tupperdose mal wieder zuhause vergessen haben, sind sie darauf angewiesen sich in nahräumlichen Umfeld käuflich zu versorgen. Wie bereits oben ausgeführt, bietet die Warschauer Brücke hierfür mannigfaltige Optionen. Ich will mich hier auf die schnellste und günstigste Option beschränken. 

So bietet unterhalb der BBF ein typischer Berliner Backshop Kaffee, belegte Brötchen und diverse Snacks. Breiteres Angebot eröffnet sich dann im REWE im Keller der benachbarten East Side Mall, in dem man sich eine einfache Bäckertüte und einen Apfel besorgen kann. Ein passender Rastplatz für den Verzehr stellt die von der Mall auf die Tamara-Danz-Straße hinterführende Treppe dar, die Anregung für die aktualitätsbezogene Jugendforschung bietet. Durch einen Instagram-Post der US-Popsängerin Billie Eilish aus dem Jahre 2019 wurde diese Treppe über Nacht weltbekannt und ihre Fans pilgern seitdem zu dem schnöden Mauerwerk, um ihre Liebesbekundungen an die Musikerin mit Filzstift auf diesem zu verewigen. 

Auf den Stufen sitzend aus seiner preisgünstigen REWE-Bäckertüte zu naschen und über Jugendkultur, deren Materialitäten und das Phänomen Personenkult nachzudenken, die blutjungen Menschen und deren Malkünste zu beobachten, stellt somit auch eine gewinnbringende Erholungs- und Stärkungsmöglichkeit gerade für Bildungshistoriker:innen dar.

Fazit:

Über zu wenige Versorgungsmöglichkeiten können sich Nutzer:innen der BBF nicht beschweren, doch eine gepflegte Mittagspause gerade bei schmalem Geldbeutel erfordert Ortskenntnis und Kreativität. Allerlei kulinarische Settings sind geboten in und um die Bibliothek, mein Favorit bei gutem Wetter bleibt der Blick auf Spree und Oberbaumbrücke. Ich bin dankbar, dass ich in und um die BBF in vielen Stunden der Arbeit und der Pause gedankenanregende und kontemplative Erfahrungen machen konnte.

Möge die BBF noch mindestens weitere 150 Jahre bestehen und Generationen von bildungshistorisch interessierten Forscher:innen anziehen. Verhungern und verdursten werden sie sicherlich nicht. 

1: Kurzfassung meiner Arbeit in: „Keine Stunde Null nach 1945 – Über die Kontinuität bildungspolitischer Innovationen der Weimarer Schulreform in der frühen Bundesrepublik“, in: Braune, Andreas; Elsbach, Sebastian; Noak, Ronny (Hrsg.), Weimarer Schriften zur Republik, Band 19, Franz Steiner Verlag, 2022, S. 63-75.

2: Das Promotionsprojekt konnte glücklicherweise erfolgreich abgeschlossen werden und kann nun entweder in der BBF als echtes Buch (Signatur 2026.221) oder unter folgender URL open access als PDF gelesen werden: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7988-5/die-wende-im-lehrerzimmer/

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