Warum sticht für mich die Erinnerung an ein Projekt, das letztlich nie erschienen ist, besonders aus einer Vielfalt von Kontakten, Treffen, Tagungen in der BBF heraus?
Im Jahr 1999 entstand in Gesprächen zwischen Klaus-Peter Horn, Rudolf W. Keck, Christian Ritzi, Uwe Sandfuchs, Hanno Schmitt und mir die Idee, einen neuen Bilderatlas zur Geschichte der Pädagogik in Deutschland herauszugeben. Freies Vorbild für den Atlas war der „Bilderatlas zur Schul- u. Erziehungsgeschichte“ von Robert Alt.
Die BBF stand im Mittelpunkt jeder Überlegung. Sie baute das Bildarchiv Pictura Pädagogica in diesen Jahren neu auf. Der dort erschlossene und damals digitalisierte Bildbestand konnte das Rückgrat des neuen Atlas bilden, der in diesen Jahren noch vollständig analog konzipiert wurde. In Potsdam bei Hanno Schmitt und in Hildesheim bei Rudolf W. Keck entstanden zugleich umfangreiche Bildarchive (Rudolf W.Keck stiftete den Hildesheimer Bestand später der BBF).
Zwischen 1999 und 2002 kam es zu einigen Treffen, vor allem in den Räumen der BBF, aber auch in Hildesheim und Potsdam, bei denen um ein einheitliches Konzeption gerungen, grundlegende Herangehensweisen (z. B. die Rolle des Mediums „Bild“) kontrovers diskutiert, mögliche Herausgeber:innen der Teilbände (5 Bände waren geplant) benannt wurden. Auch Fragen von Buchausstattungsvarianten und Finanzierungsmöglichkeiten standen im Raum.
Besonders lebhaft in meiner Erinnerung ist ein Treffen 2002 in der BBF, in dem Heinz-Elmar Tenorth – der den Teilband ab 1945 herausgeben sollte – die Konzeption seines Teilbandes vorstellte. An diese Treffen mit ihrer offenen, von gegenseitiger Sympathie und Neugierde getragenen Atmosphäre denke ich gerne zurück. Hier wehte ein besonders freundlicher Geist der alten Bibliothek!
Die letzte Spur im Verlagsarchiv findet sich im Januar 2004, in einer Gesprächsnotiz von mir beurteilt eine der Herausgeber die Aussichten des Projektes weiterhin „günstig“.
Warum aber die Schilderung eines Scheiterns in den Jubiläumsblog der BBF stellen?
Bei Beginn des Projekts war ich Mitte dreissig und seit kurzem Verleger. Es wäre unwahr und nicht angemessen, würde ich behaupten, dass meine ersten grauen Haare so entstanden sind. Ich habe sehr viel gelernt über verlegerische Großprojekte und deren Gelingensbedingungen.
Vor allem aber – das lässt sich sehr schön in meinem Verlagsarchiv verfolgen – waren über das Projekt hinaus Freundschaften und Zusammenarbeiten entstanden, die bis heute Bestand haben.


