Alles begann damit, dass an meiner Neuköllner Schule kaum jemand wusste, wer die Namensgeberin unserer Hauptschule war. Die ehemalige Schulleiterin hatte von ihrer alten Schule den Namen Anna Siemsen mitgebracht. Sie hatte im Studium von Anna Siemsen gehört und sie bewundert, berichtete mir aber nur über ihren Mann, der unter sowjetischer Verwaltung in Buchenwald verstorben war .Im Dienstzimmer stand nur eine Biografie Annas von August Siemsen, dem Reichstagsabgeordneten, der in Neukölln als Studienrat die SAP vertrat. Es war entschieden zu wenig.
Für ein kleines Team hieß es Zeitzeugen suchen und in Archiven Karteikarten auswerten. Uns half sehr schnell eine zu diesem Zweck zusammengestellte Schulfunksendung und die Auswertung aller Nachrufe. Diese führten zu Besuchen in Bonn und Hamburg.
Doch zurück nach Berlin. Hier wurde ich wie auch in Jena und Weimar mit Bewilligung durch das DDR Innenministerium aufmerksam betreut. Es war der erste Kontakt mit den Beständen der heutigen BBF.
Intensiviert wurde der Kontakt zu Mitarbeitern und Material dann erst nach 1989, als im Auftrag des Bezirksamtes Neukölln die lokale Schulgeschichte gründlich gesammelt und zusammengestellt wurde. Meist freitags, oft als Erster, kam ich mit dem Rad in die Warschauer Straße und zu unseren Treffen des Arbeitskreises Schulgeschichte Neukölln kam regelmäßig Frau Basikow ins Haus der Volksbildung in der Boddinstraße. Sie und Frau Nele Ebert/Güntheroth vom Schulmuseum verfassten auch wichtige Beiträge für uns. Beide hatten bereits eigenstädig „Neuköllner“ Vorarbeiten geleistet. Nie hatte ich geahnt, wie verflochten all die Biografien der Neuköllner Reformer seit den 20er Jahren mit Laufbahnen im Osten waren. Von „Herr Rogler, Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich zu Ihnen nach Westberlin komme!“ bis zu „Wunderbar, dass Sie mich ansprechen. Ich kann alles berichten und belegen, wenn sie versprechen, dass sie meine Aussagen erst nach meinem Tod veröffentlichen!“ reichten die Reaktionen. Wenn der Leiter der Parteischule mich nicht einladen durfte, dann tat es eben seine Frau. Eine Einladung aller ehemaligen Karl-Marx-Schüler gelang nur durch Zusammenarbeit aller, die jemals mit dem „Neuköllner Reich von Kurt Löwenstein“ Kontakt hatten. Unvergessen, wie der Leiter der VHS Neukölln, Herr Werner Korthaase (West) und Wolfgang Reischock, ein ehemaliger Britzer (Ost) die ehemaligen Reformschüler zusammen brachten. In VHS-Veranstaltungen und in der ehemaligen Schule in der Sonnenallee. Gerd Radde, der Biograf von Fritz Karsen, und Wolfgang Keim (Paderborn und ehemals auch Schulforscher in Neukölln) steuerten viel Sachverstand bei und so entstand anhand der Akten und Personalbläter der BBF eine zweibändige lokale und lebensnahe Schulgeschichte, die heute nur noch digital erhältlich ist.
Dass auch Fortbildungen in der BBF noch heute immer wieder erfolgreich und sogar überraschend sein können, beweist eine Episode. Vor mir saß die Referentin über die
Schulpolitik der West-Alliierten nach 1945. Ich fragte, ob sie mit der Stadt Selb etwas anfangen könne. Sie nicht, aber ihr Vater – antwortete sie. Der ehemalige Zittauer war mein Banknachbar, Freund und Vorbild Ende der 50er Jahre. Und so verdanke ich der BBF ein Wiedersehen mit Fritz Rostock nach über 60 Jahren!


