Statt eines Kuchens — Schichten einer Nutzungsbiografie

Meine erste Begegnung mit der BBF verdanke ich dem Zufall und der Studienverlaufsordnung, die mir DDR-bezogene Seminare verordnete und mich entsprechend wöchentlich in die BBF schickte. Dort veranstalteten Wiegmann, Geißler und später auch Joachim Scholz quellengesättigte, handwerklich und intellektuell anspruchsvolle Seminare zur preußischen und DDR-Bildungsgeschichte. Die BBF war dabei kein bloßer Fundort, sondern eine echte Erfahrung mit ganz eigener konzentrierter Stimmung: Man schritt durch hohe Regale und sah ernsthafte Nutzer:innen, vertieft in eindrucksvolle und seltene Bestände, deren Gewicht sich auch dem Studierenden unmittelbar vermittelte. Und alles war Bildungsgeschichte! Von den umfangreichen Kellergewölben, die das bestmögliche aus dem Nicht-Ort Tiefgarage machen, ahnte ich da noch gar nichts.

Was folgte, waren durch Sabine Reh und Joachim Scholz angeregte praxeologische Arbeiten, lange Stunden im alten Zeitschriftenlesesaal: haptisch, olfaktorisch und inhaltlich eine eigene Erfahrung. Wer dort saß und die Zeitschriften bis 1945 durchsah, begegnete einer Professionsrealität und einer Form vernetzter, massenbewegter Fachkultur, die es in dieser organisierten Dichte so nicht mehr gibt und die auch mit der BBF und ihren Sammlungen in einer eigenen Weise verbunden ist. Und tatsächlich gelang es auch, alte Wissensvermittlungspraktiken zu rekonstruieren.

Inzwischen profitiere ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der eng verbundenen Humboldt-Universität von weiteren Elementen der Infrastruktur der BBF. Nicht nur in meinen eigenen Forschungen, sondern in der Projektantrags- und Durchführungsarbeit begegnet die BBF einem als aktive, zuverlässige und breit aufgestellte Kooperationspartnerin in Sachen Erschließung, Datenmanagement und Digitalisierung. Mehr als einmal konnten Reimers und Krefft, aber auch Schmidtner und Freyberg, für orientierende Fragen und Probleme hilfreich zur Seite stehen. Dazu kommt die in dieser Arbeitsbiografiephase ganz neu empfundene Wertschätzung für die Ruhe zur Quellensichtung, die der Lesesaal ermöglicht. In der Bibliothek treffe ich, in Person und in ihren Werken, die Fachcommunity. Auf Konferenzen, Tagungen, Workshops und bei wichtigen Jubiläen erlebe ich vor Ort immer die wichtige und gelungene Mischung aus professioneller und dabei herzlicher Sachzugewandtheit, die ernsthafte Forschung nötig hat.

Was sich mit der Zeit zuletzt verändert hat, ist die Perspektive: Aus dem Studierenden und Forschungsprojektmitarbeiter, der höflich interessiert die Magazinführung genoss, ist ein Kollege geworden, der selbst Studierende an den Ort begleitet und dem teilweise beeindruckten Staunen der nächsten Generation zusieht. Hier nun sehe ich auch die verschlungenen Kellergänge und die Schatzkammer mit den alten Drucken. Inzwischen weiß ich auch, dass eine solche Struktur im internationalen Vergleich ihresgleichen sucht und entsprechend einen echten Standortvorteil für die Historische Bildungsforschung und viele weitere anteilig profitierende Fachdisziplinen, aber auch die breite ebenfalls präsente Öffentlichkeit bietet.

Die BBF tut, wie ich biografisch bezeugen kann, in bestem Sinne und kontinuierlich und zuverlässig, was von ihr verlangt wird, und bisweilen mehr als das. Als Infrastruktur sichert sie die Zugänglichkeit von Information und Wissen; als forschende und forschungsberatende Instanz ermöglicht sie Austausch, beteiligt sich an der Fachdiskussion und setzt dabei eigene Akzente und Schwerpunkte; als Bibliothek gibt sie den Arbeiten und Publikationen, vergangenen wie gegenwärtigen, den ihnen gebührenden Raum. Möge das noch weitere 150 Jahre so bleiben. Und mögen noch viele diese oder ganz eigene Stationen durchlaufen und auf ihre je eigenen Wege die Schichten der BBF Schritt für Schritt kennenlernen können.

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