Mein Schulbeginn als Lehrer zur Ausbildung (Referendariat) in der HvS-Hauptschule am Stephanplatz in Berlin-Moabit begann am 1.12.1975, mein letzter Schultag endete am Schuljahresende, dem 7.7.2014 in der HvS-Gemeinschaftsschule am Neuer Ufer in Berlin-Moabit.
In diesen vierzig Jahren wurden zwei Schulformwechsel genehmigt, die ausschließlich vom Kollegium in enger Zusammenarbeit mit der gewählten kollegialen Schulleitung initiiert und getragen wurden. Von einer problematischen Hauptschule (sog. “Restschule“) über eine integrierte Haupt-Realschule bis zu einer stark nachgefragten Reformpädagogischen Gemeinschaftsschule (Kl.1-13) verlief ein basisdemokratischer Schulentwicklungsprozess „von unten“, der alle Schulbeteiligten miteinschloss. Das „Wunder von Moabit“ (Süddeutsche Zeitung über die HvS) beruhte wesentlich auf den pädagogischen/didaktischen Erfahrungen, Prinzipien und Zielen von Schulreformern wie Fritz Karsen mit der Karl-Marx-Reformschule in Neukölln der 1920er-Jahre, dem französischen Grundschulpädagogen Celestine Freinet, der Initiative und dem Verbund von reformpädagogischen Schulen „Blick über den Zaun“ (BüZ) und vielen anderen Schulen in Berlin und anderswo.
Die HvS verstand sich als eine im Team lernende Schule, die pragmatisch in kleinen Schritten, aber auch in theoretischer Reflexion und Diskussion einer inklusiven und humanistischen Pädagogik, orientiert an den Bedürfnissen und dem Vermögen aller Schüler*innen, verwirklichen wollte. Z.B. wurden in einer ständigen, offenen „Pädagogischen Arbeitsgruppe“ des Kollegiums auf freiwilliger Basis nach Konzepten, Erfahrungen und Ideen in der eigenen Schule und in anderen Schulen gesucht. So entstanden viele Kontakte durch Besuche in der HvS von außen und Hospitationen außerhalb in fremden Schulen unserseits. Auch der Bekanntheitsgrad der HvS durch positive Medien- und Presseberichte führte zu ergiebigen Kontakten im In- und Ausland. Ein sehr bedeutender Kontakt entstand zum Neuköllner Kollegen Rudolf Rogler (Schularchiv / Bezirksmuseum Neukölln) schon Mitte der 1980er-Jahre. Er arbeitete an der Aufarbeitung der reformpädagogischen Karl-Marx-Schule (KMS) von Fritz Karsen im Neukölln der 1920er-Jahre. Mehrmals stellte er diese historische Versuchsschule dem Kollegium vor. Das durchlässige System einer integrierten Gesamtschule mit allen Schüler:innen von der Volksschul-Grundstufe bis zum Abitur, in gemischten Klassen mit Gruppen- und Projektunterricht (Dewey), Exkursions- und Studienfahrten, mit künstlerischen Projekten (Brecht, Hindemith), etc. wurde für die HvS als eine überzeugende Zielvorstellung angesehen und, so weit als möglich, ansatzweise übertragen und umgesetzt.
Nach den Erfahrungen des letzten Schulformwechsels zur Gemeinschaftsschule ab 2009 plante der Schulleiter Jens Großpietsch (HvS von 1985-2014) nach seiner Pensionierung ab 2014/15 eine kleine (zwei-dreizügige), private Gemeinschaftsschule, die vom Kindergarten bis zum Abitur führt: Die Freudbergschule in Wilmersdorf. Konzepte und Erfahrungen der HvS und ebenso, wenn möglich, Praxisideen aus der KMS-Neukölln sollten mit einfließen. Jens Großpietsch und ich nahmen die Gespräche mit Rudolf Rogler wieder auf, und ich informierte mich nochmals ausgiebig im Schularchiv Neukölln (Schüler*innen-Unterrichtsprotokolle) und in der BBF-Bibliothek (div. Quellen).
Nach meiner Pensionierung stand ich vor dem Problem, wohin mit der von mir angelegten Sammlung mit meinen Schulmaterialien? Schreddern kam für mich nicht in Frage, also aufbewahren und ordnen, und was dann?? Vielleicht mir nachträglich mit den Dokumenten mehr Klarheit über meine Tätigkeit als Lehrer in der HvS zu verschaffen? Unmöglich war es, die Unterlagen der HvS – Schule zu übergeben, denn schon mein ehemaliges eher improvisiertes Schularchiv stieß auf kein großes Interesse. Wohin aber mit der Dokumentation des Schulalltags? Das Museum Neukölln wies mich ab, weil der Bezirk Mitte zuständig für eine Moabiter Schule war. Das Museum Mitte besaß keine Kapazitäten für Schuldokumente und andere Institutionen z.B. ein Schulmuseum Berlin oder die Archive der TU, FU, HU lehnten auch ab, da sie nicht zuständig waren. Ich erinnerte mich jedoch an meine Arbeit zu Fritz Karsen in der Bibliothek der BBF und an das dort bestehende Archiv. Umgehend fragte ich Frau Prof. Dr. Reh, die Leiterin der BBF, als auch die zuständige Archivleiterin Frau Dr. Reimers, ob eine Übernahme der HvS-Dokumente möglich sei. Große Erleichterung, beide waren nicht grundsätzlich abgeneigt und stimmten schließlich zu. Die Begründung lautete sinngemäß: Die Sammlung von Dokumenten zur reformpädagogischen und basisdemokratischen Arbeit einer fast schon abgeschriebenen Schule in einem schwierigen Berliner Umfeld, die mit Ausdauer zu einem erfolgreichen und interessanten Schulentwicklungsmodell führte, ist durchaus archivwürdig!
Ich entwickelte eine systematisch – chronologische Gliederung, brachte die Dokumente in ein DIN A4 – Format und digitalisierte alle 20.000 Seiten, wobei ein Drittel der Dokumente Arbeiten von Schüler*innen waren. 56 Leitzordner wurden nach 3-ähriger Arbeit 2019 ins BBF-Archiv transportiert.
Für die großzügige Betreuung, vielen Anregungen und das große Verständnis bedanke ich mich herzlich bei Frau Prof. Dr. Reh und besonders bei Fr. Dr. Reimers.
Horst Fehmers im August 2026


