Weltbibliothek
Die Werke Gottes, die eigenhändig
Geschrieben er millionenbändig,
Die stehn im großen Saal der Welt
In ewiger Ordnung aufgestellt:
Handschriften alt und Incunabeln.
Und Bilderbogen mit Kinderfabeln,
In Albis und in Goldschnittband
Und räthselhaft manch Foliant.
Wie schimmern in goldnen Initialen
Cometen, Mond und Sonnenstrahlen,
Und Sumpf und Wurm und Drachenvieh
Auf mancher uralten Lithographie!
Da schaut auf herrlichen Titelvignetten
Man Dorf und Burg mit Kirchen und Städten,
Und Pflanzen im saftigen Farbendruck
Und Vögel prächtig im Federschmuck.
Und diese Werke sind stets vorrätig,
Und drin zeigt sich kein Blatt unflätig;
Und niemand wird zu Ende gleich
Gelangen mit ihrem Inhalt reich.
Drin ließt man, was im Himmel, auf Erden;
Doch was nach diesem Leben soll werden,
Hievon in den Werken entdecke ich
Nur einen großen — Gedankenstrich.Franz Binhack (1836-1915),
Pädagoge, Philologe und Schriftsteller
Auf dass mit ihren Schätzen
„niemand wird zu Ende gleich
gelangen mit Ihrem Inhalt reich“
wünsche ich der BBF weitere 150 Jahre erfolgreiche Bibliotheksarbeit!

Mit herzlichem Gruß aus Frankfurt am Main
Simon Rettelbach