In diesem Sommer war ich in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, um einen Nachlass zu sichten. Es waren intensive und erkenntnisreiche Tage – und zugleich eine wunderbare Gelegenheit, die BBF noch einmal auf eine andere Weise kennenzulernen. Besonders eindrücklich war für mich auch die Führung durch das Archiv und seine Bestände. Briefe, Manuskripte, Nachlässe und andere Quellen, die pädagogische Denk- und Wissenschaftsgeschichte greifbar werden lassen: ein reicher Schatz!
Während meines Aufenthalts musste ich immer wieder an eine Geschichte denken, die inzwischen etwa 15 Jahre zurückliegt. Damals suchte eine meiner Student:innen nach einer Möglichkeit, ein forschungsbasiertes Praktikum zu absolvieren. Ich vermittelte sie an die BBF und an die Archivleiterin Dr. Bettina Reimers. Dort durfte sie an einem Projekt mitarbeiten und bekam einen unmittelbaren Einblick in historische Bildungsforschung und Archivarbeit.
Was zunächst als Praktikum begann, entwickelte eine unerwartete Dynamik. Die Arbeit im Archiv faszinierte die Studentin, und die Begleitung durch Dr. Bettina Reimers erlebte sie als so anregend und inspirierend, dass sie sich anschließend auch in ihrer Abschlussarbeit historisch forschend mit Theodor Herzl beschäftigte. Und dabei blieb es nicht: Die Erfahrungen bestärkten sie schließlich in der Entscheidung, den Weg einer Promotion im Bereich der Historischen Bildungsforschung einzuschlagen.
Als ich nun selbst im Archiv der BBF saß, umgeben von Materialien aus besagtem Nachlass, kam mir diese Geschichte wieder in den Sinn. Sie zeigt für mich, was ein Archiv sein kann: nicht nur ein Ort, an dem Quellen gesammelt, erschlossen und bewahrt werden. Es kann ein Ort der Entdeckung sein, an dem Fragen entstehen, Forschungsinteressen geweckt werden und wissenschaftliche Wege ihren Anfang nehmen.
Dafür braucht es die reichen Bestände. Aber es braucht ebenso Menschen, die diese Bestände zugänglich machen, Zusammenhänge zeigen, Neugier wecken und andere für die Arbeit mit historischen Quellen begeistern.
Herzlichen Glückwunsch zum 150-jährigen Jubiläum!
PD Dr. Michaela Schmid


