150 Jahre BBF – Das sind anderthalb Jahrhunderte einer so ehrwürdigen wie zukunftsweisenden Institution, die zwischen bewährter klassischer Forschung am Original im Kontakt zum Papier und dem Schaffen von Infrastrukturen, die Forschenden auf der ganzen Welt Quellen und Faksimile erschließen, Bildungsgeschichte(n) bewahrt, gestaltet und auch wesentlich fortschreibt.
Ich selbst bin mit der BBF durch ein anderes Archiv in Kontakt gekommen, das 1876, als das Deutsche Schulmuseum gegründet wurde, selbst noch ein zartes Pflänzchen gewesen ist. Die Rede ist hier vom Wilhelm-Rein-Archiv, oder besser von dem Bestand an Schriften und der Korrespondenz Wilhelm Reins (1847-1929), der als Lehrerbildner, Erziehungswissenschaftler und internationaler pädagogischer Netzwerker am Lehrerseminar in Eisenach und später als Professor für Pädagogik an der Universität Jena tätig gewesen ist, wo er Lehrer:innen und Studierende aller Kontinente zusammengeführt und durch zumeist fortschrittliche Ideen pädagogisch inspiriert hat. Während der langen Jugendjahrzehnte der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung sind Reins Bestand an Schriften und seine Korrespondenz stetig angewachsen – ein Schatz insbesondere an internationaler pädagogischer Korrespondenz. Dieser Schatz fand nach seinem Tode – durch Reins Nachfahren privat verwahrt – von Jena aus über Hamburg seinen Weg nach Bad Honnef bei Bonn. Dort gewährte mir der Urenkel Reins im Jahre 2008 freundlich Zugang zu diesem Privatarchiv, das wohl sortiert und gut gepflegt, in einem Keller schlummerte. Ich schrieb damals an meiner Dissertation über die pädagogische Herbart- und Herbartianismusrezeption in Frankreich; die Recherchen zum Herbartianer Wilhelm Rein waren für mich nur ein Nebenschauplatz zu meiner eigentlichen Forschungsthematik. Trotzdem: Der umfangreiche Nachlass, insbesondere die Korrespondenz, die ich dort vorgefunden habe, wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen und der Gedanke, diesen Schatz forschend zu heben und langfristig einer breiten fachlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nahm über die kommenden Jahre Gestalt an. Andreas Rein, der Nachfahre Reins, unterstützte diesen Gedanken.
Dazu hieß es zunächst einmal, eine kompetente und verlässliche Partnerin zu finden, die mich nicht nur in der Forschung unterstützen, sondern die dem Nachlass und den Forschungsdaten auch eine langfristige physische wie infrastrukturelle Heimat bieten könnte. Diese Partnerin fand ich ab 2016, als ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen schließlich die Möglichkeit hatte, mich diesem Herzensprojekt zu widmen (ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an meine großartige Chefin Prof. Rotraud Coriand), in der BBF. Bei den Verantwortlichen und Mitarbeitenden BBF musste ich nicht viel Überzeugungsarbeit leisten: Die Bedeutung dieses Nachlasses wurde sofort erkannt. Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die nach einem Vorprojekt 2018/2019 in Essen und einem Wechsel an die Friedrich-Schiller-Universität Jena, in ein gemeinsames, DFG-gefördertes Kooperations- und Brückenprojekt „Erziehung über Grenzen denken“ (2022-2025) mündete.
Mein herzlicher Dank gilt den Mitarbeiter:innen der BBF, mit denen ich während dieser Zeit zusammenarbeiten durfte: Sabine Reh, die das Projekt BBF-seitig verantwortet hat, Bettina Reimers, unter deren Leitung das Projekt an der BBF gediehen ist, Stefan Cramme, Annett Krefft, Lars Müller und Klaus Thoden, die kompetent, professionell und in kollegialer Zusammenarbeit Herausforderungen im Projekt stets lösungsorientiert begegnet sind.
Über unsere gute Zusammenarbeit fühle ich mich der BBF stets verbunden. Ich gratuliere zum Jubiläum und bin gespannt auf viele weitere Jahre der Entwicklung des Bewahrens von Bildungsgeschichte(n) in der und durch die BBF.
Dr. Mischa Grundig de Vazquez


