#bbf150: Was haben eine pädagogische Bibliothek und der Vogel des Jahres 2026 gemeinsam?


Auf den ersten Blick nichts. Gibt man aber den Begriff „Rebhuhn“ in den Online-Katalog der BBF ein, erhält man eine Fülle von Treffern. Schnell ist klar, nur einige wenige beziehen sich auf den Vogel (Perdix perdix); die allermeisten handeln von Adolf Rebhuhn (1854-1924), dem Hauptverantwortlichen für die Büchersammlung des Deutschen Schulmuseums und späteren Deutschen Lehrerbücherei.

Portraitphoto von Adolf Rebhuhn

Adolf Rebhuhn, Sohn eines Müllermeisters und Land­wirts, stammte aus dem niederschlesischen Klein-Baudiß. Nach Besuch des Lehrerseminars in Reichen­bach, wo er 1874 die Lehrbefähigung für Volks­schul­­lehrer erwarb, war er zunächst ein Jahr als Lehrergehilfe in einer Volksschule im schlesischen Kreis Goldberg-Haynau tätig.

Mit 21 Jahren ging er nach Berlin und erwarb dort 1878 die Lehrbefähigung für Mittel­schulen in den Fächern Naturwissen­schaften und Mathematik (1883 auch in Französisch). Dort unterrichtete er nach einer kurzen Beschäftigung an einer Privatschule von 1880 bis zu seiner Pensionierung 1921 an der Luisenstädtischen Oberrealschule als Vorschullehrer Schreiben, Rechnen, Religion und Gesang. Mit diesem, von sozialer Ambition und Fleiß geprägten Werdegang war er ein typischer Vertreter seines Standes. Ungleich weniger typisch für einen Volksschullehrer um 1900 waren jedoch seine Kenntnisse und Erfolge als Büchersammler, mit denen er das Fundament für das Deutsche Schulmuseum und dessen Nachfolgereinrichtungen legte.

Anfang 1876 hatte der Berliner Bezirksschulverband die Gründung eines „Deutschen Schulmuseums“ verkündet, das mit einer programmatischen Mischung aus Lehrmittelausstellung, Museum und Bibliothek auf die „Hebung der Volksschule“ durch eine verbesserte Lehrerbildung zielte. Drei Jahre später, 1879, stieß Adolf Rebhuhn zur Gruppe der Initiatoren und übernahm dort rasch die Verantwortung für den praktischen Betrieb der Einrichtung. Er kontaktierte Verlage, initiierte Sammelaufrufe, ordnete und verzeichnete Bücher und betrieb das Ausleihgeschäft. In den viereinhalb Jahrzehnten seines Engagements entwickelte er zudem eine besondere Expertise als Sammler Alter Drucke, mit er sich in der Bibliothekswelt, aber auch in der frühen Bildungsgeschichte vernetzte. Rebhuhn war maßgeblich daran beteiligt, dass das Deutsche Schulmuseum 1908 repräsentative Räumlichkeiten im neuen Lehrervereinshaus am Alexanderplatz beziehen konnte und sich als Deutsche Lehrerbücherei fortan ausschließlich auf die Bibliothek konzentrierte.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Rebhuhns sammlerischer und bildungshistorischer Weitblick und sein Mut zur Neuausrichtung des Deutschen Schulmuseums als Deutsche Lehrerbücherei lassen auf wenig Gemeinsamkeiten mit den fedrigen Namensvettern schließen, bei denen es sich (laut KI) um „bodenorientierte Kurzstreckenflieger“ handelt, die sich „bei Gefahr flach auf den Boden drücken.“

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Literatur

Mattes, Monika, Collecting Professional Pedagogical Knowledge around 1900. Adolph Rebhuhn and the German School Museum (Later German Teachers’ Library), in: Anke Hertling/Peter Carrier (Hrsg.) Collecting Educational Media Making, Storing and Accessing Knowledge, New York: Berghahn Books, 2022, S. 78-95.






Dr. Monika Mattes

Wissenschaftliche Bibliothekarin an der BBF


Bildnachweis (Beitragsbild): K.Pitk, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons




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